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Archiv

Autor: Marita Funk
Artikel vom 27.03.2019

Aus der Ortsgeschichte

50 Pfennig für die Postkutsche

Die neue Straße nach Göppingen

Lang, lang ist’s her: die Postkutschenzeit. Von 1887 an verkehrte 25 Jahre lang durch Wäschenbeuren die Postkutsche auf der Strecke Göppingen - Lorch.

1887 war die neue Straßenverbindung zwischen Göppingen und Lorch fertig gestellt worden. Diese verlief von Wäschenbeuren nach Göppingen auf einer neuen Trasse. Diese ist bis heute die Verbindung in die Kreisstadt. Die alte Verbindung verlief mit einigem Auf und Ab über die Hetzengasse, den Geißrain und den Krettenhof auf der Strecke, die erst vor kurzem hergerichtet wurde und Krettenhofstraße genannt wird, nach Bartenbach. Dort erklomm die Straße mit 17% Steigung die Bartenhöhe, um sich dann in Richtung Göppingen abzusenken. In Wäschenbeuren wird bis heute, mehr als 130 Jahre sind seither vergangen, die Straße über die Hetzengasse über den Geißrein zum Krettenhof als „alte Göppinger Straße“ bezeichnet.

In einem Artikel im „Göppinger Wochenblatt“ vom 2.2.1885, in dem vom Baubeschluss berichtet wird, ist davon die Rede, dass die neue Verbindung „leicht und gerne von den in der Oberamtsstadt arbeitenden Personen ... sowie von Fußgängern überhaupt benutzt werden kann“. Sie habe den Charakter einer „Thalstraße“, während der alte Straßenzug „eine ganze Reihe höchster und tiefster Punkte“ verbunden habe. Die mit blauen Steinen geschotterte und gewalzte Straße kostete 102 000 Mark und wies gegenüber der alten Verbindung eine Mehrlänge von 2.8 km auf. war aber dafür fuhrwerksfreundlich und postkutschentauglich. Ein weiterer Vorteil ergab sich daraus, dass Birenbach, Zell und Börtlingen von nun an besser an die Außenwelt angeschlossen

waren.

In Wäschenbeuren musste ein Haus abgerissen werden, das zwischen Amtshaus und dem Gasthaus „Germania“ stand. Auf einem Ortsplan von 1878 ist es noch verzeichnet. Mit der neuen Straßenführung war es nun möglich, in den folgenden Jahrzehnten im Wiesental und auf dem Schützenhof Häuser zu bauen. Nur 5 Jahre nach dem Straßenbau, bereits 1892, wurde das Sägewerk auf dem Schützenhof errichtet, 1901 folgte die dem Weiler seinen Namen gebende Gaststätte.

Auf der neuen Straße wurde nun eine Postlinie eingerichtet. Diese verband die Bahnhöfe in Göppingen und Lorch und damit auch das Fils- und das Remstal miteinander. Am 31. Mai 1887 stand im Wochenblatt: „Zu der gestern anläßlich der am 1. Juni ins Leben tretenden Postfahrten zwischen Göppingen und Lorch veranstalteten Eröffnungsfeier fuhr eine größere Anzahl Teilnehmer

um 1 Uhr in 8 Gefährten vom Gasthof des Posthalters Pfeifle hier ab. In Rechberghausen, welches festlich beflaggt und eine Ehrenpforte errichtet hatte. wurden die Fahrgäste von den Einwohnern freundlichst begrüßt. Bald waren Birenbach und Wäschenbeuren erreicht. In beiden Orten standen viele Einwohner am Wege, namentlich in Wäschenbeuren, wo gerade Markttag (es war der traditionelle Pfingstmarkt) war.“

Eine Fahrt von Göppingen nach Lorch kostete 1 Mark 10 Pfennig, während für „Retourbilette mit eintägiger Giltigkeit“ 1 M 80 Pf zu berappen waren. Der Fahrpreis von Wäschenbeuren nach Göppingen, im Artikel ist von „Taxe“ die Rede, wurde auf 50 Pfennig festgelegt. Das dürfte vielen zu teuer gewesen sein, so dass sie sich weiterhin auf Schusters Rappen verlassen haben. Die Postagentur war, solange die Postkutsche fuhr, im Nebenzimmer der „Krone“ untergebracht.

1912 war die Bahnlinie zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd

fertig. Die Postkutsche hatte nun ausgedient. Die Post kam jetzt mit der Bahn. Als Poststelle diente ein Raum im Seitzer’schen Hause (heute Haus Beck) in der Bahnhofstraße.

 

Peter Schührer