Gemeinde Waeschenbeuren (Druckversion)
Autor: Marita Funk
Artikel vom 27.09.2017

Artur Lechleitner wurde 90

Dieser Tage feierte Artur Lechleitner seinen 90.Geburtstag. BM Vesenmaier überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und des Ministerpräsidenten des Landes und wünschte dem Jubilar für die Zukunft alles Gute, vor allem Gesundheit. Nicht vergaß er, das fast lebenslange Engagement von Artur Lechleitner für das Wäschenbeurener Vereins- und Kulturleben - vor allem sein Mitwirken im Liederkranz - zu würdigen.

Artur Lechleitner kommt aus dem Bauernhaus Lechleitner an der Hetzengasse (heute Grupp). Der Vater starb bereits mit 46 Jahren, seine Schwester folgte ihm kurze Zeit später nach. Der Bruder fiel im Krieg. Die Mutter heiratete wieder, und so wurde aus dem Hof Lechleitner der Hof Grupp. Nach der Schulzeit an der Volksschule Wäschenbeuren war es ihm nicht vergönnt, eine Lehre zu beginnen. Da sein Stiefvater als Schuster dienstverpflichtet war, musste er auf dem Hof kräftig mit anpacken.

Mit 17 kam er zum Arbeitsdienst nach Breisach am Rhein, bald darauf rückte er in Konstanz ein. Es dauerte nicht lange, dann ging es bei Cottbus an die Front.

Bei einem Einsatz watete man in voller Ausrüstung durch die Neiße. Die deutschen Soldaten gerieten dabei in einen sowjetischen Granatwerferangriff, dem viele Kameraden zum Opfer fielen. Artur Lechleiter hatte Glück, er bekam am 4. April 1945 einen Streifschuss am Bein ab. Was er in dem Keller, in dem die Verwundeten gelagert wurden, sah, will er nie mehr sehen. Nach einem Aufenthalt in einem Lazarett in Karlsbad, kam er nach Erlangen, wo er am 24.7.1945 entlassen wurde. Vom Angriff auf Wäschenbeuren hatte er auf irgendeinem Wege erfahren. Genaues wusste er aber nicht. Nach seiner Entlassung sah er auf dem Weg vom Schützenhof herauf zuerst, dass der Kirchturm fehlte, dann aber, dass sein Elternhaus stand. Es war als einziges Haus in der Hetzengasse stehen geblieben.

Artur Lechleitner absolvierte eine Schreinerlehre in Bartenbach und arbeitete danach noch zwei Jahre bei seinem Meister. Dann ging er in die besser bezahlte Metallbranche, zu Excello, zuerst in der Göppinger Davidstraße, dann in Eislingen. Dort arbeitete er bis zu seinem Ruhestand; davon 30 Jahre lang in Wechselschicht.

1954 heiratete Artur Lechleitner seine Frau Anneliese, eine geborene Klopfer. Zwei Kinder, eine Tochter und ein Sohn, bekam das Ehepaar. 1958 konnte man in das eigene Haus einziehen. Die Baugrube hat Artur Lechleiter selber ausgegraben; auch die anstehenden blauen Steine hat er gebrochen. 1994 starb allzu früh seine Frau im Alter von 62 Jahren.

Bald beteiligte sich Artur Lechleitner am Vereinsleben. Er trieb Leichtathletik und spielte Handball beim TSV, machte mit Gleichaltrigen im UCW mit, dem Unterhaltungsclub Wäschenbeuren. Dieser organisierte vor allem Tanzveranstaltungen, da im Wäschenbeuren der Nachkriegszeit für junge Leute nichts los war. 1946 trat er in den Liederkranz ein, in dem er nun seit 71 Jahren äußerst aktiv ist. Immer noch besucht er die Singstunde am Freitag, auch wirkt er noch im Ausschuss mit. 16 Jahre war er Sängervorstand, 19 Jahre zweiter Vorstand. Besonders wichtig war ihm immer die Mitgliederwerbung. Natürlich wirkte er im Chor bei den Operetten und Opernaufführungen der fünfziger und sechziger Jahre mit. Kulissen für den „Freischütz“ hat er mit Linus Wahl angefertigt. Die Partnerschaft mit der Sängerrunde St. Michael aus Villach hat er zusammen mit Kurt Benkelmann beim Urlaub in Kärnten in die Wege geleitet. Die vielen guten Stunden beim Liederkranz, resümiert Artur Lechleiter, hätten ihm über Manches hinweggeholfen.

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