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News/Aktuelles

Autor: Marita Funk
Artikel vom 16.12.2014

Gemeinderat ehrt engagierte Bürgerinnen und Bürger

Im Rahmen der jüngsten Dezembersitzung des Gemeinderates standen auch die Ehrung der Blutspender, einiger Vertreter der Bürgerinitiative 380 kV sowie Mitglieder des Arbeitskreis Flüchtlinge auf der Tagesordnung.  

15 Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Wäschenbeuren konnten traditionsgemäß in der vorweihnachtlichen Gemeinderatssitzung für 10, 25, 50 und 75 maliges Blutspenden mit einer Urkunde, Anstecknadel sowie Weinflasche geehrt werden. Im Rahmen seiner Ansprache führte BM Vesenmaier aus, dass sich die medizinischen Möglichkeiten in atemberaubendem Tempo weiterentwickeln würden, jedoch trotz größter Fortschritte und aller Zuversicht Blut durch nichts zu ersetzen sei. Täglich würden alleine etwa 3000 Blutbestandteile benötigt werden, die mit Hilfe von 5000 Blutspendenaktionen bereitgestellt werden könnten. Zum stemmen dieser Aktionen bedürfe es wiederum vieler ehrenamtlicher Helfer vor Ort.

Am Ende seiner Ansprache betonte er Schultes nochmals, wie stolz der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung seien, dass es in Wäschenbeuren so viele Menschen gäbe, die die Blutspendeaktionen des DRK tatkräftig unterstützen. Die öffentliche Ehrung haben nur 6 Mitbürger entgegengenommen. Die anderen waren wegen anderer Verpflichtungen verhindert. Nochmals herzlichen Dank!

Blutspenderehrung

Als nächstes wurde die Arbeit der BI-Aktivisten 380 Kv-Leitung geehrt. Im Folgenden die abgedruckte Rede von Bürgermeister Karl Vesenmaier:

„Weihnachten ist das Fest der Freude und der Überraschungen, wobei wir damit natürlich positive Überraschungen damit verbinden.

Im Dezember 2012 sah dies für den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung ganz anders aus. Aus der Presse haben wir vernommen, dass zwischen den Goldshöfen und Bünzwangen eine neue 380 kV-Stromtrasse gebaut werden soll, aufgeständert auf ca. 70-90 m hohen Masten.

Nach dem Motto: „Die Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht“ haben wir die Information zwar zur Kenntnis genommen, aber vorläufig das Thema ausgeblendet, weil ja die Transnet als Netzbetreiberin in einem ersten Anlauf unsere Gemeinde zum Gespräch nicht eingeladen hat. Wir haben gehofft, dass dieser Kelch an uns vorübergehen würde. Dieser instabile Frieden brach im Januar 2013 schnell in sich zusammen.

Wäschenbeuren, Börtlingen und Adelberg und weitere Gemeinden im Landkreis waren ab diesem Zeitpunkt weitere betroffene Mitglieder dieser Schicksalsgemeinschaft.

Befeuert wurde der Ruf nach dem Leitungsbau auch durch die von der Politik ausgerufene Energiewende, die eine Abkehr von der nuklearen Stromproduktion vorsieht. Soll David (gemeint sind die einzelnen Gemeinden) mit Goliath, dem Deutschland weit agierenden Stromtransporteur den Kampf aufnehmen und gegebenenfalls wie? Das war die große Frage.

In einem geradezu atemberaubenden Tempo wurde von Seiten der Transnet zu Informationsveranstaltungen  und Trassierungsgesprächen eingeladen, moderiert von professionellen Moderatoren. Parallel dazu haben wir als erste Gemeinde dieses Thema in einer Bürgerversammlung im Mai 2013 zur Beratung gestellt. Bereits damals wurde von der Gemeindeverwaltung empfohlen, die Raumschaft Göppingen-Aalen möge zusammenstehen. Nur ein großer Interessensverband könne das finanzielle und rechtliche Know-how als Gegenposition leisten. Zentraler Punkt müsse die Prüfung der Notwendigkeit einer solchen Trasse sein. Gleichzeitig wurde die Gründung einer örtlichen Bürgerinitiative zur Unterstützung dieser kommunalen Bewegung angesprochen.

Auf Einladung der Gemeindeverwaltung fand im Mai 2013 die Gründungsversammlung statt. Ab diesem Zeitpunkt lief alles wie am Schnürchen. In anderen Gemeinden bildeten sich ebenfalls weitere BI’s die mit hohem Sachverstand raumschaftübergreifend aktiv wurden. In weiteren Schritten konnten die Landkreise von der kommunalen Bewegung überzeugt werden. Die Federführung hat der Aalener Landrat, Klaus Pavel, übernommen. In mehreren Treffen kamen zur Stärkung des Bündnisses auch die Abgeordneten aus den 3 Landkreisen Ostalbkreis, Göppingen und Rems-Murr hinzu. Ohne die breit aufgestellten BI’s hätte sich vermutlich die kommunale Familie sehr schwer getan, ganze Arbeit zu leisten. Die Kernarbeit haben die BI’s geleistet durch fachliche Kompetenz, durch Informationen in der Fläche und durch Unterschriftenaktionen. Hervorzuheben ist hier insbesondere auch die Bürgerinitiative Wäschenbeuren. Hier gab es nicht nur regelmäßige Treffen. Vielmehr wurden Kontakte gepflegt, in die Politik, zur Bundesnetzagentur und zur Transnet. Mit Prof. Stiegler konnte letztendlich ein anerkannter und neutraler Wissenschaftler gefunden werden, der den Bedarf einer neuen 380 kV-Leitung nicht erkennen konnte. Das Aus für den Leitungsbau wurde dann bei einem von vielen Spitzentreffen im Landratsamt Aalen am 11.11.14 verkündet. Die Leitung wird damit nicht gebaut! Dieses Ergebnis darf als gemeinsames Meisterwerk bezeichnet werden nach dem Motto: Fortschritt kann auch mal Verhindern bedeuten.

Heute wollen wir Danke sagen den Akteuren unserer örtlichen Bürgerinitiative. Dank gebührt aber auch dem Gemeinderat für die Bereitstellung von Haushaltsmitteln zur Abdeckung von Aufwendungen für die gemeinsamen Aktionen. Eine vernetzte Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und der Bürgerbewegung hätte nicht besser funktionieren können. Dieser Kraftakt ist es wert, dass er in der jüngeren Geschichte unseres Ortes Erwähnung findet.“  

Ehrung der Bürgerinitiative

Zu guter Letzt konnten auch die 7 anwesenden Mitglieder des Arbeitskreises Flüchtlinge geehrt werden. Die von Bürgermeister Vesenmaier gesprochenen Worte können Sie der folgenden Rede entnehmen:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir fliegen zum Mond, zum Mars und anderen Gestirnen und versuchen die Unendlichkeit des Universums zu begreifen. Astronauten berichten - und das ist uns allen längst bekannt –, dass die Erde aus der Ferne aussieht wie die anderen Planeten, nur mit dem Unterschied, dass hier Leben stattfindet und die Rahmenbedingungen nicht besser sein könnten. Das alles hat sich über Hunderte von Millionen Jahren entwickelt. Von einem Stern berichtet auch die Weihnachtsbotschaft und auch darüber, dass für Maria und Josef zur Zeit der Niederkunft ihres erstgeborenen Sohnes keine Herberge ihre Türen geöffnet hat. Vermutlich sah man ihnen die Armut an und es blieb dem jungen Paar nichts anderes übrig, als Unterschlupf in einer offenen und vermutlichen brüchigen Scheune zu finden. Bei 23 °C nehmen wir 2000 Jahre später die nostalgisch gestalteten Krippen sehr romantisch wahr und möglicherweise würden auch wir uns heute etwas einfallen lassen, die freien Betten zuhause nicht an die Hilfesuchenden freizugeben. Oder doch? Ja, da gibt es doch den Staat, der für diese Fälle sorgt. Und der Staat, das sind ja wir. Heute gibt es extremere Notsituationen, als dies bei Christi Geburt der Fall war. Heute flüchten Menschen, weil sie von ihrer Regierung verfolgt werden. Sie nehmen in Kauf, dass sie bei ihrer Überfahrt über das offene Meer ihr Leben verlieren, wie dies immer wieder hundertfach geschieht. Ja, auch wir Deutsche nehmen Flüchtlinge auf.

Aber oft werden die Ankömmlinge nur verwaltet. Ihnen fehlt die menschliche Wärme. Wie gut ist es da, wenn es Menschen im Aufnahmeland gibt, die im Ehrenamt die Hände ausstrecken und menschliche Hilfe und zwischenmenschliche Wärme anbieten. Und wie heißt es in der Heiligen Schrift weiter: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“. In Wäschenbeuren wohnen derzeit  28  Flüchtlinge. 7 m² werden jedem Flüchtling zugestanden. Bisher waren es 4 m². Sie werden ergänzend betreut vom Arbeitskreis „Flüchtlinge“, der sich aus der Situation heraus gebildet hat. Dieser gibt Hilfestellungen in vielen Fragen des täglichen Lebens und bietet im evangelischen Gemeindehaus die Möglichkeit von gemeinsamen Treffen.  

Die Gemeindeverwaltung begrüßt diese Initiative, die von beiden Kirchengemeinden ergänzend unterstützt wird.   Die heutige Auszeichnung soll weiter Mut machen, diesen Weg zu gehen. Gleichzeitig soll in der Bürgerschaft der Blick für mehr Menschlichkeit in der Gesellschaft geschärft werden.“

 

 

Die anwesenden Mitglieder des Arbeitskreis Asyl