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News/Aktuelles

Autor: Marita Funk
Artikel vom 10.07.2019

Der Wäschenbeurener Rathausbrunnen

Brunneneinweihung 1992

Was ein Künstler so denkt…?

„So wie der Brunnen jetzt dasteht“, erklärte Kurt Grabert den Einweihungsgästen im Jahre 1992, „meine ich, dass ihn jeder Mitmensch auch ohne Interpretation versteht. Trotzdem nehme ich an, dass Sie gerne wissen möchten, was sich der Künstler bei den einzelnen Bildern so gedacht hat. Nun fangen wir oben an:“

 

Ortswappen mit der Wäscherin

„Da steht das historische Ortswappen von 1491 mit dem historischen Irrtum der „Wäscherin“! Ich nehme an, dass das Wappen damals von irgendeinem Hofbeamten entworfen wurde, der Wäschenbeuren noch nie gesehen hatte und der auch nichts mit dem Begriff: „Wäsche“, „Wascher“ anfangen konnte. So zeigt das Wappen eine Frau – ein gutes Symbol für die Gemeinde – und es zeigt auch Sinn für Ordnung und Sauberkeit. Gehalten wird das Wappen von einem heraldischen Löwen, sei er nun aus dem rechbergischen Wappen entnommen oder von den Staufern, die Zuschreibung sei jedem freigestellt.“

  

Gockel und Gemüse

„Da aber Wäschenbeuren – Beuren, Büren – schon immer zuerst ein Bauerndorf war, sitzt zuoberst der Hahn, der Gockel, das heraldische Zeichen des Bauernstandes. Darunter rankt sich ornamental allerlei Gemüse – kein Querschnitt der landwirtschaftlichen Produktion, sondern vor allem dekorativer Schmuck, Äpfel, Birnen, Kartoffeln, Mais und Getreide. Die Krautköpfe habe ich aus optischen und statischen Gründen benötigt, zum Abschluss der Säule und als tragende Basis für Löwe und Wappen.“

 

Ortsgeschichte mit wichtigen Daten

„Dann links und rechts der Säule die Ortsgeschichte mit den wichtigsten Daten. Gemeinderat Schührer war so freundlich und hat den Text erarbeitet, den ich dann aus Platzgründen kräftig kürzen musste. Es war ein Bemühen um jeden Buchstaben. Kreisarchivar Ziegler hat den Text nochmals überprüft und mich mit den notwendigen heraldischen Vorlagen versorgt.“

 

Romulus und Remus auf beurisch

„Auf der Vorderseite steht unten „die Wäscherin“, die Wäschenbeurenerin, hier wäscht sie nicht Wäsche, sondern ihre zwei Knaben im Badezuber, sozusagen Romulus und Remus auf beurisch.“

 

Dörflicher Stammtischpolitiker und Pfarrer

„Darüber der dörfliche Stammtischpolitiker – mostselig gibt er seiner Begeisterung über die Wiedervereinigung Ausdruck. Damals, als ich den Brunnen entwarf, waren ja die Medien voll von Bildern mit dem Fall der Mauer – Sie sehen, wie schnell die Zeit vergeht. Trotzdem ein wichtiges Datum die Wiedervereinigung 1990. Und darüber der Herr Pfarrer – im katholischen Wäschenbeuren, umgeben vom evangelischen Altwürttemberg, immer eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Ort. Freundlich-kritisch blickt er auf das emanzipierte Treiben seiner Gemeinde.“

 

April 1945 – Trümmerfrau und Vogelnest

„Auf der Gegenseite das vielleicht wichtigste Datum der Ortsgeschichte: April 1945! Mit der Darstellung des Heimkehrers wollte ich an Not und Elend der damaligen Zeit erinnern. Daneben steht die „Trümmerfrau“ – Symbol des mütterlichen Trostes und Beharrens sowie des Willens zum Wiederaufbau. Darüber ein Vogelnest – ein neues Leben blüht aus den Ruinen.“

 

Rad der Zeit

„Das „RAD“ - das Rad der Zeit – Karussell der Geschichte dreht sich ohne Anfang und Ende – darauf die Bürger von heute, in einem kleinen Umzug die Ortsgeschichte, den Lebensalltag darstellend – alles etwas heiter und bedeutungsschwer… Den Anfang bildet „Ritter Kuno der Wäscher“ – im Kindergartenalter – mutig kämpft er gegen das Untier, die Katze aus Nachbars Garten. Dann die Beurener Familie: Tanz und Musik, Hoffart und Nächstenliebe, jung und alt.

Hauptfigur ist der Tod – ein Memento mori, das früher in keinem Stadtbild fehlte. Mein Tod ist nicht allzu gräuslich – auf Sense und Stundenglas habe ich verzichtet. Mein Tod geht mit der Zeit, er hat in der einen Hand eine Taschenuhr und mit der anderen spielt er Kasperlestheater.“

 

Was wäre das Leben ohne die Liebe

„Bleibt noch der Sockel – links das junge Paar – was wäre das Leben ohne die Liebe, es gäbe auch keine Dorfentwicklung ohne das Wunder, dass immer wieder ein Knabe ein Mädchen liebt. Weil nun aber – gleich daneben – die Kirche steht, habe ich das Ganze etwas im Gebüsch versteckt!“

 

Teufel … der alltäglichen kleinen Bosheiten

„Und rechts der nicht allzuböse Teufel – Hinweis auf die Tücke des Objekts und unsere alltäglichen kleinen Bosheiten. Er greift mit Hand und Fuß immer wieder mal ins Getriebe, damit es uns nicht allzu wohl wird.“

 

Symbolisches Getier

„Und überall da, wo ein plastischer Akzent fehlt, symbolisches Getier, oft auch nur zur Freude der Betrachter. Hier darf jeder hineininterpretieren, was ihm gut erscheint. Mir ging dabei ein Satz von Wilhelm Busch durch den Kopf: „Vom Mäusefangen in den Windungen unserer Gehirnkammer“ und dafür steht unten am Sockel der Schädel mit den Mäusen.“

 

„Am Ende ist doch alles

Schall und Rauch,

was uns ein Leben lang

so wichtig erscheint:

 

Besitz, Ehre, Ruhm,

morgen werden andere auf

dem Rad der Zeit stehen

und es wird sich

immer weiterdrehen.“