JavaScript scheint momentan in Ihren Browsereinstellungen deaktiviert zu sein.
Bitte nehmen Sie eine Änderung dieser Einstellung vor und laden Sie die Webseite neu, um deren volle Funktionalität zu ermöglichen.

News/Aktuelles

Autor: Marita Funk
Artikel vom 18.11.2020

Volkstrauertag:

Gedenken im kleinen Rahmen

Die staatlicherseits verordneten Einschränkungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Covid 19 erlaubten dieses Jahr kein öffentliches Gedenken. Bürgermeister Karl Vesenmaier war es dennoch wichtig, dass eine würdige Feier zum Gedenken der Gefallenen und Vermissten im kleineren Umfang stattfinden konnte. Neben ihm waren anwesend der katholische Pfarrer Reiner Stadlbauer, die Fraktionsvorsitzende/n von CDU (Claudia Merkt-Heer), SPD (Thomas Wolff) und Freie Wähler (Manfred Weber), der Vorsitzende des VDK Östlicher Schurwald, Herr Ludolph sowie die Fahnenabordnungen der Freiwilligen Feuerwehr, des TSV und des Musikvereins.

Für den Liederkranz, der jährlich mit Gesang die Feier bereichert, war dessen 1. Vorsitzender Oliver Hokenmaier zugegen.

Nach der Ansprache von Bürgermeister Vesenmaier sprach Pfarrer Stadlbauer an der Gedenkstätte Gebete für die vielen Millionen Toten und Vermissten und brachte seiner Hoffnung Ausdruck, dass so viel Unheil nie mehr geschehen dürfe.

 

Anbei die Ansprache des Schultes:

 „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

heute, am 15. November 2020, 102 Jahre seit Ende des Ersten Weltkriegs, 81 Jahre seit Beginn und 75 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkriegs, begehen wir den Volkstrauertag.

Heute ist alles anders als sonst. Der Frieden blieb uns seither zwar erhalten, doch die Welt hat sich derzeit mit einer anderen Gefahr auseinanderzusetzten und zwar mit einem Virus, der innerhalb weniger Monate erdumspannend weit mehr als 1 Million Menschen das Leben gekostet hat. Um nicht selbst Opfer dieser unsichtbaren Gefahr zu werden, haben wir uns heute nur in einem sehr kleinen Kreis zusammengefunden, um wenigstens einmal im Jahr der über 50 Millionen Toten, insbesondere der beiden großen Weltkriege, zu gedenken. Für ein Ende der Pandemie gibt es zwar Hoffnungen, doch der Weg bis zur Normalität wird noch viele Monate dauern.

Die Krise kam für uns unvorbereitet und damit auch überraschend. Das Virus wirkt nicht nur gesundheitlich zerstörerisch, sondern die Mittel zur Bekämpfung dieses Übels verursachen auch wirtschaftlichen Schaden und Notstand in vielen Familien und Betrieben. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Pandemiewelle genauso schnell abflachen wird wie die erste.

Waren wir uns aber bisher bewusst, was Krieg bedeutet? Eher nicht. Doch die laufende Krise mag uns verdeutlichen, wie schwer es für die Menschen damals war, die Todesnachrichten, die wöchentlich die Familien im Ort erreicht haben, vom Leid gezeichnet hinzunehmen und zu ertragen. Gemeinsam halten wir an diesem Tag die Erinnerungen wach und rufen uns das dunkelste Kapitel unserer Geschichte ins Gedächtnis:

Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt, von Völkermord, Verfolgung und Vertreibung, aber auch des Widerstands. Wir erinnern uns an das unsägliche Leid, das Millionen Menschen in unserem Land und in anderen Teilen der Erde zugefügt wurde.

 

Niemals dürfen wir damit aufhören, uns die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt vor Augen zu führen.

Der Volkstrauertag hat seine uneingeschränkte Berechtigung, denn er mahnt die heutige Generation zum Frieden. Er erinnert nicht nur an das eigene Leid, sondern schließt immer auch das Gedenken an die Opfer der anderen Staaten mit ein. Wenn wir all diese Menschen vergessen oder die Erinnerung an sie verdrängen, wenn wir nicht nach den Ursachen all des menschlichen Leids fragen und ihr Schicksal nicht als Mahnung begreifen, dann werden wir mit uns selbst nicht ins Reine kommen.

Verehrte Anwesende,

bedenken wir an diesem Tag, um wie vieles diese Welt menschlicher und lebenswerter wäre, wenn es endlich gelingen könnte, Terror, Gewalt und Krieg schon in ihren Ansätzen zu ersticken. Dies wünschen sich zwar sehr viele Menschen, die Realität sieht allerdings leider anders aus. Zu nennen wären aktuell die Anschläge in Paris und Wien. Weitere werden aufgrund fanatischer Blindheit religiöser Extremisten folgen.

So, wie für uns das Recht auf Frieden und Freiheit auf demokratischer Grundlage selbstverständlich geworden ist, dürfen wir nicht nachlassen, es für andere Staaten zu fordern, die es nicht haben. Das aktuelle Beispiel dafür sind die Menschen, welche in Belarus zu Hunderttausenden auf die Straße gehen, um ein korruptes System zu stürzen.

Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass diese Welt mit uns Menschen eine andere, eine bessere werden kann.

Den Weg, den wir derzeit gehen, ist aber holprig geworden. Die Worte, welche manche Staatsoberhäupter in ihren Ansprachen wählen, gleichen eher dem Niveau ungebildeter, verrohter Menschen, bei denen die kulturellen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte keine Rolle spielen. Zur Friedenssicherung gehört auch dazu, die Augen zu öffnen für die Probleme unserer Zeit. Gegen demokratische Grundwerte wird auch in der westlichen Welt immer mehr verstoßen. Dies zeigt die jüngste Präsidentschaftswahl in Amerika.

Friede ist aber langfristig nur möglich, wenn es gerecht zugeht in unserem Land, in Europa und auf der Welt, und kein sozialer Unfrieden herrscht. Dazu gehört aber auch die Sicherung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen. Wir dürfen nicht auf der einen Seite zurückgehende Geburtenquoten beklagen, auf der anderen Seite aber manche Familien mit den Problemen der Arbeitslosigkeit im Regen stehen lassen.

Das alles schafft langfristig Unruhe und sozialen Sprengstoff. Die Augen offen und die Gedanken wach zu halten, sind daher wichtige Gebote unserer Zeit.

Lassen wir unsere Hoffnung auf Fortsetzung des Friedensprozesses nicht fallen, denn Hoffnung, die wir uns immer wieder erkämpfen und die wir in unserer Seele finden, sie ist der Schlüssel zu einer besseren Zukunft.“